Vegetarisch Leben

von Inga Engels

Die vegetarische Lebensweise zeichnet sich dadurch aus, dass auf Nahrungsmittel, die das Abtöten von Tieren voraussetzt, verzichtet wird. Im Vegetarismus gibt es verschiedene Abstufungen: In erweiterten Stufen des Vegetarismus wird auch auf Eier, Milch und Honig verzichtet. Vegetarier, die sich rein pflanzlich ernähren, werden Vegane genannt.




Ursprung des Vegetarismus

Der Ursprung des Vegetarismus hat zwei Quellen: in Indien und im antiken Griechenland. Beide Ideen sind unabhängig voneinander entstanden, basierten jedoch auf religiös-philosophischen Grundlagen.
In Indien hat Vegetarismus seine Wurzeln in Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Bishnoi. Diese Richtungen begründen sich im Glauben der Seelenwanderung. Da alle Lebewesen eine Seele haben; ist jegliche Art von Gewalt, wie das Verletzen und Töten von Tieren  untersagt.

Im antiken Griechenland wurde ebenfalls Vegetarismus als eine Enthaltung vom Beseelten gesehen. Der Vegetarismus hatte im antiken Griechenland wenig Anhänger. Die breite Masse der Bevölkerung hatte sowieso sehr wenig Fleisch auf ihrem Speisezettel, was durch die Fleischknappheit bedingt war. Ein kollektiver Verzicht auf Fleisch ist bisher bei keinem der Natur- oder indigenen Völker nachgewiesen worden.

Christliche Antike und das Mittelalter in Europa

Bereits in urchristlicher Zeit gab es die Auffassung, dass das Verzehren von Fleisch eine Verunreinigung der Seele verursachen könnte, diese Ansicht hat sich aber nicht durchgesetzt.

Im Mittelalter war der Verzicht auf Fleisch, insbesondere bei Mönchen, weit verbreitet. Hier ging es weniger um ethische Überlegungen, vielmehr um die eigene Askese. Der Verzicht betraf meistens vierbeinige Tiere, seltener auch Geflügel, jedoch niemals den Fisch.

Vegetarismus in der Neuzeit

Berühmte Persönlichkeiten, wie Leonardo da Vinci, haben in der frühen Neuzeit sich für einen ethisch begründeten Vegetarismus ausgesprochen. Diese Idee der Ethik wurde durch verschiedene Persönlichkeiten weitergetragen. Einen besonderen Anklang fand sie in England, wo 1801 der erste Vegetarierverein gegründet wurde.
In Deutschland wurde solch ein Verein zuerst 1868 von Gustav Struve gegründet.

Vegetarismus heutzutage

Entstanden durch eine religiös-philosophische Sichtweise ist auch heutzutage Vegetarismus stark mit einer Weltanschauung verbunden. Aktuell liegt die Anzahl der Vegetarier in der sogenannten westlichen Welt in einstelligem Prozentbereich, in Indien sind es ca. 40 Prozent.
Die Gründe, warum jemand sich dazu entscheidet sich vegetarisch zu ernähren, sind unterschiedliche. Sehr oft spielt mehr als nur ein Aspekt für die Entscheidungsgrundlage eine Rolle:

  1. Der gesundheitliche Aspekt – insbesondere bei der Bekämpfung von sogenannten Wohlstandskrankheiten, wie Übergewichtigkeit, wird auf Fleischprodukte verzichtet. Auf lange Sicht soll ebenfalls der Fleischverzicht solchen Erkrankungen, wie Diabetes und Gicht, vorbeugen.
  2. Ökologische Gründe – Die Fleischerzeugung nimmt deutlich mehr natürliche Ressourcen in Anspruch als beispielsweise der Anbau von Getreide. Menschen, die aus ökologischer Sicht auf Fleisch verzichten, haben den Wunsch nach einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und möchten zudem auf die Aufnahme bestimmter Schadstoffe verzichten.
  3. Ethische und religiöse Gründe – Hier geht es hauptsächlich um die Entscheidung, dass es falsch oder unnötig ist, wegen des Lebens von Menschen die Tiere zu verletzen oder zu töten.

Mythen rund um den Vegetarismus

Wie bereits dargelegt, ist der Vegetarismus stark mit einer bestimmten Weltanschauung verbunden. Wegen des religiösen Charakters (neben einer bestimmten Lebensweise wird auch diese an andere Menschen weitergegeben, mit dem Ziel, diese zu „bekehren“) gibt es auf beiden Seiten der Lager verschiedene Arten von Mythen.
Seitens der Vegetarismus-Gegner wird des Öfteren behauptet, dass ein Vegetarier sich mangelhaft und somit ungesund ernährt. Es führe vor allem zu Mangelerscheinungen von Eisen, Calcium, Eiweiß und Vitamin B12. Diese Behauptung ist nur bedingt wahr, denn ein reiner Fleischkonsum bietet auch keine ausgewogene Ernährung. So müssen beide Gruppen sich an der Nahrungspyramide ausrichten. Insbesondere bei Veganern erfordert dies einen genauen und bewussten Umgang.
Starke Verfechter des vegetarischen Lebensstiles sehen dies als die bessere Lebensweise an, denn sie ersparen den Tieren das Leid und  verursachen weniger Monokultur-Anbau auf unserem Planeten.
Hierfür gibt es auch einige Gegner, die diese Thesen mit eigener Argumentation widerlegen oder abschwächen. Als einer der Verfechter gegen Vegetarismus, insbesondere gegen Veganismus, ist Udo Pollmer zu nennen, der mit zwei Ko-Autoren das Buch „Don't Go Veggie!: 75 Fakten zum vegetarischen Wahn“ 2015 herausgegeben hat.


Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das höchste Gut jedes einzelnen Menschen die eigene Gesundheit ist. Und die emotionale Gesundheit (ethische und religiöse Grundsätze) zählt auch dazu. Es ist keine Frage, dass die moderne Zivilisation der Welt und sich selbst viel Schaden zufügt. Dennoch gibt es nie die richtige Antwort auf die Frage, ob man auf Fleisch verzichten sollte oder nicht. Jeder Mensch sollte demnach selbst über seinen Umgang mit anderen Menschen, Tieren und der Natur entscheiden. Am besten wäre es jedoch, wenn diese Entscheidung von jedem Einzelnen bewusst getroffen würde.

 

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