Alte Architektur und moderne Nutzung

von Maja Prée

Die Architektur umfasst ein riesiges Spektrum an Bauten, auch für die Industrie. Ohne industrielle Architektur würde es diesen, meinen Beitrag nicht geben. Lesen Sie jedoch bitte selbst.

Der Bau ist wichtig

Panometer

Seit 2003 gibt es in dem früheren Gasometer in der Richard-Lehmann Straße in Leipzig eine regelmäßig wechselnde Panoramaausstellung. Der bis 1977 genutzte Gasometer wurde baulich so instand gesetzt, dass er tauglich wurde als äußere Hülle einer Reihe sehr interessanter Ausstellungen. Von den drei ursprünglich dort existierenden Gasbehältern war dies der am besten erhaltene. Als Ort der Präsentation von Panoramen wurde er zum "Panometer".

Panoramen

Die Idee der Panoramen geht auf den Iren Robert Barker zurück, der am 17. Juni 1787 dazu ein Patent anmeldete. In Deutschland führten die Maler Johannes Carl Enslen und sein Sohn Karl Georg Enslen Anfang des 19. Jahrhunderts die Panoramen ein. Mit malerischen und plastischen Mitteln versuchte man die Illusion der Wirklichkeit zu erreichen. Sie dienten der Unterhaltung und Information der Bevölkerung.

1830 ging das Interesse an Panoramen verloren, da durch andere Medien wie die sich entwickelnde Fotografie und illustrierte Zeitungen viel mehr und umfangreichere Informationen möglich waren. Mit dem deutsch-französischen Krieg kam es wieder zu einer neuen Blüte, mit der Darstellung von Schlachten. Bis gegen Anfang des 20. Jahrhunderts war das so. Eine erneute Renaissance gab es dann in den 1970er Jahren.

Yadegar Asisi

Im Jahr 2003 wurde in Leipzig das erste Panorama von Asisi gezeigt. Der Bau mit 30 m Wandhöhe war beeindruckend, wenn man den Raum betrat, in dem damals die Besteigung des Mount Everest dargestellt worden war. Interessant war natürlich ebenso das außerhalb des Panoramas zwischen der Außenwand des Gebäudes und dem Bild aufgebaute Informationsmaterial. Die Besucher bekamen so interessante Informationen über das Land, die dort lebenden Menschen und ihr Verhältnis zum Mt. Everest, die Sherpas und vieles andere mehr. Für mich war damals vor allem die technische Umsetzung dieses riesigen Bildes interessant. Natürlich wirkte die Monumentalität des Berges beeindruckend, den nur die wenigsten Menschen einmal aus der Nähe sehen können. In den darauf folgenden Jahren entstanden etliche weitere Panoramen. Ich empfand sie von Mal zu Mal in ihrer Umsetzung faszinierender. Jedes Mal wenn ich später den Raum mit dem Panorama betrat war ich von der Monumentalität überrascht und von der Detailliertheit die Asisi hier akribisch eingearbeitet hatte.

Ausstellungen

Völkerschlacht

Ich hatte bei der nächsten Ausstellung das Gefühl mitten im antiken Rom zu stehen. Schaute auf der unteren Ebene den mir in Lebensgröße begegnenden Personen ins Gesicht und entdeckte viele Details aus ihrem Leben als der Sieger der Schlacht an der Milvischen Brücke mit seiner Armee wieder im antiken Rom einzog. Ein Zeitbildnis der ganz besonderen Art.

Die Regenwald-Ausstellung war dem 150. Todestag des Naturforsches Alexander von Humboldt gewidmet. Die Urwald-Baumriesen, die Tiere die dort leben und die Ureinwohner dieses besonderen Lebensbereiches waren in einer Momentaufnahme festgehalten. Tierstimmen sowie Wettergeräusche in Verbindung mit der durch die Änderung der Lichtverhältnisse hervorgerufenen Tag- und Nachtstimmung ließen bei dem Besucher das Gefühl aufkommen, zumindest in diesem Moment vielleicht mitten im Regenwald zu stehen.

Der imaginäre Blick vom Dach der Thomaskirche auf die Stadt Leipzig nach der Schlacht, zeigt Verwundete und Zerstörung. 200 Jahre nach der Völkerschlacht entstand dieses Bild. Eine Warnung und Erinnerung an die Kraft der Zerstörung die Kriege mit sich bringen können.

Die aktuelle Ausstellung – das Great Barrier Reef

Great Barrier Reef

Es ist wie in jeder seiner Ausstellungen. Wenn man den Eingang betreten hat wird man in der informativen Ausstellung auf das Hauptthema eingestimmt. Vielschichtig werden Zusammenhänge dargestellt. Man erhält Informationen über die Lebewesen, ihre Lebensweisen und ihre Wechselwirkungen …und man erahnt wie verletzlich dieses System letztendlich ist. Betritt man das Panorama fühlt man sich wie mitten in einem riesigen Korallenriff, das man von unten nach oben erkunden kann. Durch drei Plattformen die diesmal auf dem in der Mitte stehenden Aussichtsturm eingerichtet sind, kann man die verschiedenen Korallen und ihre Bewohner ganz genau betrachten. Es ergibt sich ein stetiger Perspektivwechsel mit dem Ersteigen des Turmes. Wenn man selbst tauchen würde, würde man wohl nur einen Bruchteil dieses Wunders erfassen können.

Genutzte Architektur

Gasometer innen

So schließt sich der Kreis vom früheren Gasometer wieder. Gebaut um den Menschen damals Gas zubringen, vielleicht noch für Licht, vor allem aber zum Kochen, für die Industrie und später auch zum Heizen bietet dieser Bau jetzt Kultur und Wissen. Während im Inneren des Panometers keine Verschönerungsarbeiten vorgenommen worden sind, sondern die kahlen Innenwände blieben, wird der nebenstehende frühere Gasometer jetzt für Fotoaufnahmen genutzt. Er strahlt in hellen Farben, durch die offenen Fenster fällt das Licht. Wenn man sich am Ende der Ausstellung im Panometer noch die Zeit nimmt und den dort laufenden Film anschaut, sieht man wie die Fotoarbeiten in eben diesem zweiten Gasometer für die Ausstellung der Völkerschlacht durchgeführt wurden um dann Stück für Stück am Computer bearbeitet zu werden. Am Ende finden Zeichnungen und Fotos zu einem beeindruckendem Panorama zusammen.

Dresden im Barock

Viele von Ihnen sind sicher schon einmal in Dresden gewesen, haben die Frauenkirche gesehen oder den Zwinger. Hier im barocken Dresden sieht manches noch anders aus. Schauen sie selbst einmal vorbei. Es lohnt sich, wenn man diese Stadt mag. Zum Beispiel der Dresdner Zwinger, er veränderte sich im Laufe noch. Und auch hier begegnet man Menschen der damaligen Zeit bei ihrer Arbeit, beim Handeln oder nur beim Flanieren auf Augenhöhe. Die Liebe zum Detail ist unübersehbar. Ich habe versucht die Eindrücke dieser Ausstellungen wie ein Schwamm in mich aufzusaugen. Dankbar, dass frühere Architekten diese Industriebauten entworfen hatten und froh, dass sie heute so genutzt werden.

barockes Dresden

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