Die unbeliebten Nachbarn

Von Inga Engels

Man sagt ja, dass man die Familie nicht aussuchen kann, jedoch die Freunde. Und wie verhält es sich mit den Nachbarn? So einfach geht es hier auch nicht, wenn es sich um die kleinen Mitbringsel aus der Natur handelt. Lange Zeit waren Flöhe, Zecken und Läuse die ständigen Begleiter der Leute.

Parasiten

Solche ungeliebten Nachbarn oder Wegbegleiter bezeichnet man als Parasiten. Diese Bezeichnung entstammt aus dem antiken Griechenland und bedeutet so  etwas wie „neben jemandem essen“. So wurden die Opferbeamten genannt, die an Opfermahlen teilnahmen und so auf Kosten der Allgemeinheit Speisen und Getränke erhielten. Später bezeichnete man solche Menschen als Parasiten, die sich bei reichen Leuten für eine Mahlzeit einschmeichelten.

Mit der Moderne setzte sich eine Veränderung des Begriffes „Parasit“ durch, da hier vor allem auf die biologische Grundlage - „von jemandem gut leben“ - eingegangen wurde. Diese Definition erlaubte dann auch weitere Interpretationsspielräume für Parasitismus im gesellschaftlichen und sozialen Leben.

Europäische Geschichte: Hunger, Flöhe, Läuse und Krieg

Die Geschichte Europas ist bis vor 70 Jahren durch verschiedene Hunger-, Krankheits- und Kriegsphasen gekennzeichnet. Dass dabei die ungeliebten Begleiter einen enormen „Verdienst“ haben, wird öfters vergessen.

Die große Pestepidemie in Mitteleuropa, die sich zwischen 1347 und 1351 ereignete, führte zum Tod eines Drittel der Bevölkerung. Damals wurde als Ursache die Brunnenvergiftung von „den Juden“ ausgemacht. In der Tat haben die Flöhe die Krankheit von den infizierten Ratten auf die Menschen übertragen.

Ebenfalls im 30-jährigen Krieg kam es zum Aussterben der Bevölkerung weiter Landstriche. Dies war neben den Kriegsverwüstungen und der „kleinen Eiszeit“ ebenfalls auf die Übertragung der Infektionskrankheiten durch Flöhe und Läuse zurückzuführen.

Kriege im 19. und 20 Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte Napoleon auf seinem Russlandfeldzug verheerende Verluste: von rund 500 Tausend Soldaten kehrten nur 3.000 zurück. Die meisten fielen den Krankheiten Durchfall, Pneumonie und Fieber zum Opfer; ein großer Anteil auch an von Läuse übertragenen Krankheiten wie Flecktyphus oder Schützengrabenfieber.

Zwar kannte man schon in der Antike diverse Formen der Schädlingsbekämpfung, jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es möglich dank der neuen Entdeckungen einen Quantensprung in der Medizin und auch Schädlingsbekämpfung zu machen.

Einen weiteren Aufschwung erlebte die Schädlingsbekämpfung wegen der schlechten hygienischen Bedingungen während des Ersten Weltkrieges. Es wurde gegen die Vorratsschädlinge wie Mehlmotte, aber auch gegen Läuse, Flöhe und Wanzen gekämpft. Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg waren die „Entlausungsaktionen“ bei Flüchtlingen und Heimkehrern bekannt.

Chemische Schädlingsbekämpfung

Die Erfahrungen mit den während des Ersten Weltkriegs verwendeten chemischen Waffen wurden nach dem Krieg bei der Herstellung der Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. So wurde Zyklon B zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen hergestellt. In der Zeit des Dritten Reiches erreichte die Verwendung dieses Chemiestoffes einen traurigen Höhepunkt – bei der Vernichtung der damals sogenannten Volksschädlinge in den Konzentrationslagern.

Die „unbeliebten Nachbarn“ heute in Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Schädlingsproblematik in der Bundesrepublik Deutschland deutlich zurück. In dem letzten Jahrzehnt nimmt der Befall mit Läusen, Flöhen und Milben leider wieder zu – insbesondere in Alters- und Pflegeheimen sowie in Kindergärten und Schulen.

Ein weiterer Parasit, der vielen Naturfreunden auflauert, ist die Zecke. Vor Allem in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen ist die Verbreitung des FSME und Borreliose hoch. Deshalb wird hier eine Schutzimpfung empfohlen.

 

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