Berühmte Nachbarn: Der Alte Fritz und der Müller von Sanssouci

Von Ute Lenke

Um Friedrich II., den „Großen“ oder den „Alten Fritz“, wie er im Volksmund genannt wird, ranken sich viele Geschichten, Anekdoten und Legenden.
Wer heute Schloss und Gärten von Sanssouci in Potsdam besichtigt, wird auch am Rande der Gärten eine Mühle sehen.

Anekdote

Die Mühle von Sanssouci

Um diese Mühle erzählt man sich folgende Anekdote:
Im Jahre 1744 ließ der Preußenkönig sich in Potsdam, damals weit weg von Berlin und dem Stadtschloß, eine Sommerresidenz errichten: Sanssouci, deutsch: ohne Sorgen. Hier wollte er sich von seinen Kriegen und der Politik erholen, hier sollte ein Ort der Philosophie und der Musen sein. Hier philosophierte er mit seinem Freund Voltaire, gab Konzerte, in denen er selber Flöte spielte, hier fand das „Tabakskollegium“ statt und in den weitläufigen Gärten, die nach dem Vorbild Versailles angelegt waren, ging er mit seinen geliebten Windhunden spazieren.
Dieses Idyll wurde angeblich empfindlich durch das laute Geklapper einer Mühle gestört, so dass sich der preußische König beim Müller beschwerte und den Abriss der Mühle forderte. Der Müller ließ sich jedoch von seinem berühmten Nachbarn überhaupt nicht beeindrucken und antwortete der Majestät: „Sire, es gibt noch Richter in Berlin“ (gemeint ist das preußische Kammergericht in Berlin).

Die Geschichte der Mühle

Die Geschichte ist fast zu schön um wahr zu sein und sie ist auch nicht wahr – jedenfalls nicht ganz.
Hier ist die wirkliche Entstehungsgeschichte der „Historischen Mühle von Sanssouci“, wie sie heute offiziell heißt:
Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Potsdam zu einer Garnison- und Residenzstadt. Um die Ernährung der wachsenden Bevölkerung sicher zu stellen, wurden auch neue Mühlen gebaut. 1736 erhielt der Müller Grävenitz die Genehmigung zum Bau einer Bockwindmühle auf dem „Wüsten Berg“, für die er außer den Baukosten jährlich 40 Taler Pacht an die Staatskasse zahlen musste. Dazu kamen Pachtkosten für das Grundstück, auf dem die Mühle stand.

Der Streit.

FriedrichII., der alte Fritz im Alter von 68 Jahren

Um diese Pachtzahlungen entstanden jahrelange Streitigkeiten und gerichtliche Auseinandersetzungen, weil der Müller nicht zahlen wollte.
Als Friedrich II. mit dem Bau des Schlosses Sanssouci begann, war es der Müller, der sich beschwerte: die Baumaßnahmen beeinträchtigten den Mühlenbetrieb, außerdem bekäme die Mühle nun nicht mehr genügend Wind, er aber solle trotzdem den vollen Pachtpreis bezahlen.
Der König ließ die Klage prüfen, erließ dem Müller die Pacht und genehmigte ihm den Bau einer neuen Mühle an einem günstigeren Ort.
Die alte Mühle wollte der König aber erhalten, denn sie gehörte für ihn unbedingt in das Landschaftsbild – schließlich hatte der Alte Fritz sich Park und Schloss als idyllischen Sommersitz erbauen lassen und eine Mühle gehörte für ihn unbedingt dazu!
Die  Mühle wechselte später noch mehrfach den Besitzer und als sie schließlich verfiel war es Friedrich II.,der sie  instand setzen ließ, da „sie dem Schlosse zur Zierde“ gereiche.

Wiederaufbau

Als nach der Wende 1989 Sanssouci  in alter Pracht wieder aufgebaut wurde, wurde natürlich auch die Mühle, nun als „Historische Mühle“, wiedererrichtet.
Die Anekdote um den gerechten König und seinen unerschrockenen Nachbarn aber erhält sich  hartnäckig und wird weiter in Schullesebüchern verbreitet.

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