Unsere Nachbarn - die Sorben und ihre Folklore

Von Roma Szczocarz

Im Laufe des Jahres gibt es für die Sorben viele Gelegenheiten, ihre Bräuche und Traditionen zu pflegen. Sie sind Ausdruck ihrer Kultur und Lebensweise und fördern seit Jahrhunderten den Zusammenhalt zwischen den Generationen.

Wer sind die Sorben?

Siedlungsgebiet der Sorben

Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt ist. Die Sorben haben eine eigene Sprache, Kultur und eine offiziell anerkannte Flagge und Hymne. Von der sorbischen Sprache existieren zwei Schriftsprachen: Obersorbisch und Niedersorbisch. Und noch die Gruppe der Grenzdialekte.

Die niedersorbische Sprache ist dem Polnischen ähnlich, während die obersorbische Sprache dem Tschechischen und Slowakischen näher steht. Es ist ein Phänomen, die Sprache der Minderheit zu pflegen. Nach Schätzungen des Sorbischen Instituts gibt es heute 20.000 aktive Sprecher der verschiedenen Arten der sorbischen Sprache. Die sorbische Kultur wird außer in den Familien auch in zahlreichen Vereinen und Volksgruppen gepflegt. Aber nicht nur diese Kulturgruppen pflegen die Traditionen und uralten Bräuche des sorbischen Volkes, sondern auch die Kirche. Die Bräuche sind eng an den Jahreskreis der kirchlichen Feiertage gebunden.

Sorbische Folklore - die Trachten

sorbische Tracht

Als Besonderheit kann man die sorbische Folklore betrachten. Eindrucksvoll sind die sorbischen Trachten, die regional stark unterschiedlich sind.

Nach dem Landestrachtenverband Niedersachsen wird als Tracht die Kleidung der ländlichen Bevölkerung bezeichnet, deren Verbreitung regional, zeitlich und konfessionell begrenzt ist. Sie wechselt „in den ihr vorgeschriebenen Grenzen nach Anlass und Trauerstufe und spiegelt den sozialen Status wider“. Die Tracht ist Ausdruck einer meist dörflichen Gemeinschaft und eines gemeinsamen Lebens in dieser Ordnung. Sie zeigt deutlich an, aus welcher Region die Tracht stammt, aus welchem Dorf der Träger oder die Trägerin kommt, so auch die soziale Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft, den Personenstand ob ledig, verheiratet, heiratswillig (das gefällt mir am besten) und die Trauerstufe.  Auch zu besonderen kulturellen Ereignissen oder an kirchlichen Feiertagen und zu Familienfeiern tragen Frauen und Mädchen sorbische Festtrachten. Auch bei den Auftritten zahlreicher Kulturgruppen werden die Trachten getragen. Das Tragen der Trachten zu den genannten Anlässen ist ein Identitätsmerkmal, das nicht unmittelbar an die Sprache gebunden ist.

Sorbische Folklore - die Sagen und Mythen

Zahlreiche slawische mythologische Vorstellungen sind bis heute lebendig und haben verschiedenartige Aufgaben wie:

die Mittagsfrau – Pripoldnica -, die besonders populär ist. Sie kümmert sich um die Landbevölkerung. Sie sorgt für die für die Einhaltung der Mittagsruhe zwischen zwölf und dreizehn Uhr und jeden, der zu dieser Zeit auf den Feldern arbeitet, tötet sie.“

Die Sagenfiguren der Sorben sind vielfärbige und vielfältig und sie spiegeln die Kultur und die Geschichte des sorbischen Volkes wieder.

Sehr schön sind auch die Sagen über „kleine Geister“, Lutfi, besser bekannt als „Bäckermeister“. Die zwergenhaften, fröhlichen, kleinen Geister fürchten sich vor Glocken und borgen sich heimlich Haushaltgeräte aus, für die sie sich später mit Brot oder Kuchen bedanken.“

Ganz anders unterstützt der Gelddrache die Leute. „ Auch der Drache ist für die Serben ein gutes Tier, solange er ausreichend mit Hirsebrei gefüttert wird. Dann bringt er nämlich als „plon“, der Gelddrache, unverhofft Reichtum ins Haus.

Auch der kluge, gute „Wuziowy kral“ ist eine bedeutende Sagenfigur für die Sorben.

Für den Schutz und die Sicherheit im Spreewald sorgen auch die Schlangen, deren König als Hausgott am Giebel vieler Spreewaldhäuser zu finden ist.

Der “Wuzowy kral“ schützt vor Armut und beschenkt die Kinder und arme Leute.

Die Welt der Sagen, Fabeln, Legenden vereinen häufig das Reale und die übersinnlichen Elemente, wie Magie und übernatürliche Wesen.

Zum Schluss

Als Schlussgedanken ein Zitat von Jan Nuck, dem Vorsitzenden der sorbischen Organisation „ Domowina“:

„Es muss den Sorben Spaß machen, ein Sorbe zu sein. Es ist vielleicht ein bisschen lapidar ausgedrückt, aber ein Stück Wahrheit steckt da mit drin. Sorbe zu sein muss nicht ständiges Rackern, ständige Mühen bedeuten. Es muss Freude machen, Sorbe zu sein.“

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