Meine kleine Heimat- Kolberg

von Roma Szczocarz

„ Der Mensch hat immer eine Heimat und wäre es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist.  Entfernung macht Heimat, Verlust Besitz.“ Von Alexander von Villers  ein österreichischer  Schriftsteller, Diplomat

Stadt meiner glücklichen Kindheit

Heimat, dieser Begriff klingt für mich sehr ernst. Während ich diesen Text über meine kleine Heimat Kolberg schreibe, denke ich an meine Kindheit zurück. Ich habe meine Nachkriegskindheit in Kolberg verbracht. Damals, in den 50er Jahren war Kolberg zerstört. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges war Kolberg als Festung  stark bombardiert und auch verbrannt. An meiner Kamienna- Straße war nur ein Haus geblieben, rund  herum waren nur die Ruinen. Vor dem 2. Weltkrieg war “meine“ Kamienna- Straße in der Vorstadt und hieß Stein-Tor-Straße. Hinter dem Haus befand sich ein geheimnisvoller Hof  mit zahlreichen Verstecken. Damals war ich 5-6 Jahre alt und dachte nicht daran: Das war ein sehr gefährlicher Hof. Sowieso  durfte ich nicht aus dem Hof weggehen. Aber wenn meine Eltern beschäftigt waren, entschlüpfte ich gern heraus. In der Nähe befanden sich ein alter Park mit dem Graben,  die Reste der alten Festung und die Reste der König-Brücke. Es ist unglaublich, aber dort konnten wir- die Kinder- sorglos“ laufen“. Trotz der traurigen Nachkriegszeit waren wir glücklich.

 

Heute

Kolberg Strand

Wenn ich heute Kolberg besuche, mache ich jedesmal einen sentimentalen Gang und besuche meine alte Straße, wo die Zeit irgendwie anhielt. Unglaublich, aber dort steht nur “mein“ Haus. Hinter dem Haus gibt es immer noch  den Hof, leider scheint er mir heute wie ein unfreundlicher, schmutziger Raum. Nur der Graben mit zugehörigem Park ist wie früher. Viele kennen selbstverständlich Kolberg als modernen Kurort an der Ostsee, aber für mich ist das die Stadt meiner Kindheit, der Ort der Verwurzelung- meine kleine Heimat.

„ Heimat, das sind die Menschen, die man kennt, die man Verwandte, Nachbarn und Freude nennt. 
Heimat, das ist die Sprache, die man spricht, die man hört, liest und versteht wie ein Gedicht.
Heimat, das sind der Hof, das Haus und die Räume, das sind das Feld, die Wiese, der Garten, die Bäume.“
Von Arnold Scherner

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