Ein Fluss - 10 Nachbarn

Von Dietrich Bösenberg

Gemeint ist die Donau – sie durchfließt oder berührt auf ihrem Lauf nicht weniger als 10 Staaten und ist so ein europäischer Strom, der Länder und Menschen verbindet. Auf 2888 km Länge finden sich unzählige Besonderheiten – sowohl kulturell als auch in der Natur. 

Die Bedeutung der Donau

Gerade was die Bewahrung der Naturlandschaften, ihre Erschließung und Pflege betrifft, haben die meisten Länder erkannt, dass die Donau ein kostbares Gut darstellt. So entstanden in mehreren Donau-Ländern Naturschutzgebiete unterschiedlicher Art, Nationalparks oder  Naturparks. Einige davon sollen hier vorgestellt werden.

Deutschland

Schon im Bereich des Donauursprungs, bald nach dem Zusammenfluss der Quellflüsse in Donaueschingen wurde 1972 der „Naturpark Obere Donau“ gegründet, der sich etwa zwischen Tuttlingen und Herbertingen erstreckt. Ein geologisches Phänomen von internationaler Bedeutung in diesem Abschnitt sind die Donauversickerungsstellen bei Immendingen und Fridingen. Hier verliert die Donau an mehreren verkarsteten Stellen des Untergrundes an etwa 200 Tagen im Jahr ihr gesamtes Wasser, das dann in der 12 km entfernten Achquelle wieder austritt und dem Rhein zufließt.
Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit und Naturvielfalt eignet sich dieser Naturpark in besonderem Maße für Erholungszwecke und stellt eine Vorbildlandschaft  für eine naturverträgliche Nutzung dar.

Österreich

Der ungefähr 36 km lange Flussabschnitt zwischen Linz und Krems ist die berühmte „Kulturlandschaft Wachau“. Natürliche Landschaftsformationen, wie das gewundene Donautal, die Auwälder und schroffen Felsen, vom Menschen gestaltete Elemente, wie die Weinbauterrassen, typische Flurformen und Ortschaften, Stifte, Burgen, Ruinen, ergänzen einander in harmonischer Weise. Sie haben die Wachau zu einer historischen Kulturlandschaft von herausragendem Wert gemacht,  die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Besondere Auenlandschaft

Weiter donauabwärts erstreckt sich der „Nationalpark Donau-Auen“, etwa von Wien bis zur Marchmündung an der Grenze Österreichs zur Slowakei. Bei einer Länge von 38 Kilometern misst er an seiner breitesten Stelle circa 4 Kilometer, die Auen finden sich unmittelbar an der Donau. Im Norden des Nationalparks liegt die weite Ebene des Marchfeldes.

Mit diesem Nationalpark wurde der 1984 geplante Bau des Kraftwerkes Hainburg verhindert, der die Zerstörung des letzten freifließenden Donauabschnitts mit seinen Auwäldern bedeutet hätte. Für Hunderte von wertvollen Pflanzenarten, zahlreiche Säugetierarten, Insekten, Fischarten und Vögel  wurde hier ein wichtiger Lebensraum erhalten.

Bulgarien

In Srebarna in Bulgarien wurde unter Beteiligung der UNESCO ein Gebiet von 600 ha zum „Biosphärenreservat“ erklärt, das über 100 seltenen und bedrohten Vogelarten und vielen weiteren Durchzugsvögeln ein Rückzugsgebiet offeriert. Äußerst seltene Vögel wie Krauskopf-Pelikane, Silberreiher, Purpurreiher und Nachtreiher sind dort noch anzutreffen.

Biosphärenreservate sind Modellregionen, in denen das Zusammenleben von Mensch und Natur beispielhaft entwickelt und erprobt wird. Sie schützen Kulturlandschaften vor zerstörenden Eingriffen und erhalten und entwickeln wertvolle Lebensräume für Mensch und Natur.

Serbien

In der Autonomen Provinz Voijvodina in Serbien befindet sich das „Naturreservat Deliblatska Pescara“.  Es erstreckt sich zwischen der Donau, den Südkarpaten und dem Fluss Tamis über 354 km und über eine Fläche von 30.000 Hektar. Das Reservat bildet eine Sanddünenlandschaft mitten im Balkan, mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Die Sandberge erreichen die  imposante Größe von über 200 m. Vor Ort wird es umgangssprachlich auch „Europäische Sahara“ genannt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Sanddünen mit Akazien und anderen Bäumen bepflanzt. Heute ist mehr als die Hälfte der Sandlandschaft bepflanzt und manche Teile sind beliebte Jagdgebiete.

Rumänien

Im Nordosten Rumäniens bis in die Ukraine hinein erstreckt sich das Donaudelta. Es umfasst eine Fläche von über 4500 km2 und ist 110 km lang. Die Donau teilt sich in drei Arme: den nördlichsten Chilia-Veche-Arm, der sich bei Periprava noch einmal aufspaltet und ein eigenes kleines Delta bildet: den mittleren Sulina-Arm, der teilweise begradigt ist und hauptsächlich zur Schifffahrt dient. Hier kommen die Donaudampfer aus dem Schwarzen Meer an und hier verläuft der Warenfluss auf der Donau bis nach Österreich und Deutschland; den südlichsten Arm, den Sfantu-Gheorghe-Arm, der sich mit vielen Windungen nach 112 km ins Schwarze Meer ergießt.

Die Gründung dieses „Biosphärenreservats und Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe“ war von nationaler und internationaler Bedeutung. Mit seiner geographischen Lage zwischen verschiedenen Klimazonen entstanden eine für Europa einmalige Artenvielfalt und ein Beitrag zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts in diesem wichtigen Flussdelta.

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