Die Lust am Schenken

von Erna Subklew

Vor einigen Tagen fand ich in der Zeitung unter der obenstehenden Überschrift einen Artikel über das anonyme Verschenken. Lange habe ich mir überlegt, wäre das etwas für dich? Nicht das Verschenken, sondern das Annehmen?

Die Sachen am Straßenrand

Beim Gang zum Einkauf komme ich oft an Gegenständen vorbei, die von jemandem, der diese Gegenstände nicht mehr braucht oder der ausgezogen ist, an den Gartenzaun gestellt wurden mit dem Hinweis, dass die Sachen freigegeben sind und man sich etwas mitnehmen könne. Sie sind meist so gut erhalten, dass es mir beinahe Leid tut, nichts davon gebrauchen zu können.
Dieses anonyme Schenken oder sich Sachen vom Straßenrand zu holen, gab es schon einmal. In den 60er Jahren, als die ersten Bürger sich neu einrichteten und diejenigen, die finanziell nicht so gut gestellt waren, sich die Gegenstände holten, die sie brauchen konnten. Allerdings nur spät abends oder zeitig früh. Irgendwie sah man es als unschicklich an, etwas zu brauchen, was andere nicht mehr wollten. Deswegen finde ich es sehr gut, dass es heute ein Angebot ist, das man jederzeit annehmen kann .Man handelt irgendwie auf Augenhöhe, nicht mehr als Geber und Beschenkter, sondern als Nachbarn, denen man nicht zu danken braucht, die einander geholfen haben..

Der Anfang des Schenkens

Angefangen hat das Schenken mit dem „Bücherschrank". Trotz Fernsehen und Stadtbücherei türmen sich in vielen Haushalten die Bücher. Vor allem Krimis, die man zwar gern gelesen hat und die für den Papiercontainer zu schade waren, nehmen Platz im Bücherschrank weg. Ich kann nicht sagen, wo der „Bücherschrank" zum ersten Mal aufgetaucht ist, aber er ist auf jeden Fall eine segensreiche Erfindung, denn es werden nicht nur Bücher hineingestellt, sondern auch Bücher von dort mitgenommen, die man noch nicht kennt und gern lesen würde.

Das Schenken zieht Kreise

Vor ein paar Tagen las ich, dass der Bücherschrank Nachfolger bekommen hat – die Give-Box oder besser Schenk-Box. Ausgehend von Berlin, wo es diese Schenk-Boxen bereits sehr zahlreich geben soll und daneben noch Läden, in denen geschenkt und getauscht wird.
Im Nordend von Frankfurt, an der Ecke Bergerstraße und Bornheimer Landwehr steht seit einiger Zeit auch so ein Kasten aus Holz und Plexiglas und ist gefüllt mit vielen Sachen, die die einen nicht mehr brauchen, die anderen aber gut gebrauchen können. So wechseln täglich die Dinge, die in der Vitrine angeboten werden. Für diese besagte Box hat sich sogar jemand gefunden, der Ordnung hält. Die Kümmerin kommt mehrmals am Tage vorbei, entfernt Dinge, die nicht hinein gehören und ordnet das Durcheinander.
Die Initiative „Faites Votre Jeu“ betreibt im alten Gefängnis in der Klappergasse einen Laden, der genauso arbeitet wie die Schenk-Box im Nordend. Wer etwas hergeben will, trägt es in den Laden und wer etwas braucht, nimmt es mit.

Neue Box

Demnächst soll auch wieder am Baumweg, wo die Schenk-Box zunächst gestanden hat, eine kleinere Box kommen. Der Initiator Jan Philip Johl hatte nicht damit gerechnet, dass die dortigen Anwohner sie vermissen würden.
Ins Nordend soll neben die bestehende Schenk-Box im Sommer noch ein Kasten kommen, in die die Gartenbesitzer ihre überflüssigen Erzeugnisse hineinlegen, damit andere sie verwenden können.
Allen diesen nachbarschaftlichen Aktionen ist zu wünschen, dass sie nicht als Müllabladestelle benutzt und durch Chaoten missbraucht werden.


Quelle

 Inga Janovic in Frankfurter Neue Presse vom 13.03.15

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